Regelventile Serie 200 line
Die Armaturen RV 210 bis 235 bilden eine wichtige Gruppe von Produkten mit einer Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten. Durch modulare Bauweise lassen sich viele Varianten von Regel- und Absperrventilen in den Nennweiten DN 15 bis 400 mit Nenndrücken PN 16, 25 und 40 herstellen. Für explosionsgeschützte Bereiche und Anwendungen mit Sauerstoff gibt es Spezialausführungen.
Die Konstruktion der Ventilgehäuse mit strömungsoptimierten Kanälen bietet neben günstigen Schall und Wiederstand reduzierenden Strömungseigenschaften minimales Gewicht, was positive Auswirkungen auf Herstellung, Transport, Installation und Wartung hat. Die Verwendung verschiedener Gusswerkstoffe für die Ventilgehäuse lässt eine entsprechend der jeweiligen Betriebsbedingungen optimale Auswahl zu:

  • Sphäroguss für Heißwasser- und Dampfsysteme bei Wärmetauscherstationen, Wärmezentralen, Heizkreisen und Fernwärme-Übergabestationen, ebenso im Niederdruckbereich von fossilen Kraftwerken sowie in Sekundärkreisläufen von Kernkraftwerken
  • Stahlguss und legierter Stahlguss für höhere Beanspruchungen in der Energetik und Verfahrenstechnik
  • Edelstahl für weitere anspruchsvolle Anwendungen in der chemischen Industrie, Petrochemie, Gasindustrie, Kühlung, usw

Ventile der Serie  RV 2xx  lassen dank der modularen Konstruktion  mehrere Ausführungen zu: Die Grundausführung  RV 2x0 ist  das direkt wirkende Zwei-Wege-Ventil, d.h., das Ventil schließt bei einfahrender Ventilspindel (push to close P/C).
Das indirekt (revers) wirkende Ventil RV 2x1 öffnet bei einfahrender Ventilspindel (push to open P/O). Die unterschiedlichen Wirkweisen werden von den verwendeten Stellantrieben bestimmt. Stellventile mit Notstellfunktion (HU2x1) sind in der Regel indirekt wirkend. Dabei wird bei Ausfall der Hilfsenergie durch ein Federpaket im Stellantrieb das Ventil in eine Notposition gebracht.
Besonders geeignet für diese Notstellfunktion sind Ventile mit druckentlastetem Kegel, direkt (RV2x2) oder revers (RV2x3) wirkend. Dabei wird die Druckdifferenz über dem Ventil durch eine spezielle Bauweise des Dichtsystems ausgeglichen. Der Kegel bewegt sich dabei wie ein Kolben in einem Zylinder. Durch eine Bohrung wird der auf der Vorderseite des Kegels wirkende Druck in den Hubraum des Zylinders und somit auf die Rückseite des Kegels geführt. Der Druck vor und nach dem Kegel ist dadurch gleich und die für die Stellkraft des Antriebs verantwortliche Druckdifferenz neutralisiert. Vorteilhaft ist bei dieser Bauart, dass man auch bei großen Druckdifferenzen relativ leistungsarme Stellantriebe (z.B. Stellantriebe mit Notstellfunktion) verwenden kann. Nachteilig wirken sich die zusätzlich erforderlichen Dichtstellen als höhere Kosten bei Herstellung und kürzere Verschleißzeiten aus.
Die dritte Variante der Serie RV 200 sind Dreiwegeventile, die sowohl als Misch- als auch Verteilventil eingesetzt werden können. Dabei ist die Fließrichtung des Mediums ausschlaggebend, u.z. bei Mischventilen (A/B - AB), bei Verteilventilen (AB - A/B). Wie bei den Durchgangsventilen gibt es auch hier direkte (RV2x4) und reverse Ventile (RV2x5), wobei nur das direkt wirkende Dreiwegeventil in allen Richtungen durch Einsatz von PTFE-Dichtungen dichtschließend ausgeführt werden kann. Beim reversen Ventil beträgt die Leckagerate des Abzweigs (B) wegen fehlender Kraftabschaltung des Stellantriebs ca. 2% des kvs-Wertes.
Das Verschlusssystem der Serie 200 ist grundsätzlich aus Edelstahl. Die Kegelform ist bei kleinen Nennweiten (≤DN20) parabolisch. Die größeren Nennweiten besitzen zylindrische Kegel  mit Ausschnitten (v-ported oder Laternenkegel), die im Sitz geführt werden und dadurch nicht in Schwingungen geraten können. Die Kontur der Ausschnitte bestimmen Durchflußcharakteristik und kvs-Wert. Bei Ventilen, die unter harten  Bedingungen (z. B. Kavitation bei Flüssigkeit oder überkritischen Druckabfall bei Dampf und Gas) betrieben werden, können mit Lochkegel ausgestattet werden. In diesem Fall verläuft die Durchströmung des Kegels von allen Seiten in Fließrichtung, so dass der gedrosselte Strahl durch die Kegelmitte abgeleitet wird. Für kleinste Durchflüsse (kvs 0,16… 0,063 m³/h) gibt es ein spezielles Mikro-Drosselsystem. Diese Ventile wurden ursprünglich für den Einsatz in kompakten Damfumformstationen zur Regelung der Leistung auf der Kondensatseite entwickelt, werden aber auch in der Industrie für die Prüfung und Regulierung  von sehr kleinen Durchflüssen verwendet.
Die Ventilsitze sind ebenfalls aus Edelstahl und wartungsfreundlich eingeschraubt. Für geringe Leckageraten (≤ 0.01% kvs) kann eine PTFE-Dichtung eingesetzt werden. Als zusätzliche Maßnahme zur Vermeidung von Erosion durch Kavitation und Abrasion können Ventilsitze mit Hartmetallbeschichtung (Stellit) verwendet werden.
Bei Stopfbuchsen werden je nach Betriebsanforderung des Ventils mehrere Varianten angeboten:

  • O-Ring-Dichtungen aus EPDM für Temperaturen bis 140°C und nicht-aggressiven Medien
  • DRSpack® - PTFE-Manschetten bis 260°C für den industriellen Einsatz, auch bei aggressiven Medien, bietet gute Dichtungseigenschaften bei geringer Reibung
  • Graphitdichtungen bis 550°C und aggressiven Medien
  • Faltenbälge aus Metall mit PTFE Sicherheits-Stopfbuchsen erfüllen höchste Anforderungen an Dichtigkeit bieten den sichersten Schutz bei toxischen oder explosiven Medien

Bei allen Stopfbuchssystemen liegt der Schwerpunkt auf hohe Zuverlässigkeit und langfristige Dichtigkeit ohne oder nur mit minimaler Wartung.
Alle Ventile der Serie 200 werden mit  linearer oder gleichprozentiger Durchflusskennlinie, zwei-Wege-Ventile zusätzlich mit parabolischer (quadratischer) oder optimierter Kennlinie für heizungstechnische Anwendungen LDMspline® geliefert. Das breite Spektrum von kvs-Werten gibt Projektanten und Anwendern die Möglichkeit zur genauen Dimensionierung des Ventils, Voraussetzung für beste Regeleigenschaften im späteren Betrieb.
Die modulare Bauweise ermöglicht einen einfachen Umbau, z.B.  bei der Änderung der Parameter der Anlage (Änderung der Kvs oder Durchflusscharakteristik). Die meisten Umbauten können Vor-Ort durchgeführt werden. Bei Bedarf können auch Ventile nach Kundenwunsch mit Kvs –Werten außerhalb der Standardreihe oder mit Spezialkennlinien geliefert werden.
Für die Armaturen der Serie RV 200 steht ein großes Angebot von pneumatischen, elektromechanischen, oder elektrohydraulischen Linearantrieben zur Verfügung. Ebenso können auch Drehantriebe in Verbindung mit Lineareinheiten eingesetzt werden. Die Verwendung der direkten Hubantriebe vor allem in Verbindung mit druckausgeglichenen Ventilen mit niedrigen Stellkräften garantiert hohe Regelgenauigkeit und lange Lebensdauer der Antriebe. Die stabile Verbindung zwischen Ventil und Antrieb sowie die Einstellung von Hub und Abschaltpunkten wird im Normalfall von LDM durchgeführt und dokumentiert. Daher kann im Servicefall über die Typennummer die Stelleinheit genau identifiziert und die passenden Ersatzteile zur Verfügung gestellt werden.